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Skulptur Projekte in Münster vom 10. Juni bis 1. Oktober 2017

Auch der WEICON Pen war mit dabei

Skulptur Projekte - Was ist das?

Alle zehn Jahre finden seit 1977 in Münster die Skulptur Projekte statt. Dabei werden Kunstprojekte über mehrere Wochen mitten in der Stadt ausgestellt – ob an öffentlichen Plätzen, inmitten der Natur am Stadtrand, im Museum oder im Theater. Bei den Projekten geht es darum, Kunst für eine breite Öffentlichkeit zugänglich und somit erlebbar zu machen.

Wie alles begann

Der damalige wissenschaftliche Sachbearbeiter und spätere Direktor des Westfälischen Landesmuseums Klaus Bußmann stellte gemeinsam mit Kurator Kaspar König 1977 erstmals die Münsteraner Skulptur Projekte auf die Beine. Ausgangspunkt für deren Entstehung war ein öffentlicher Streit um die kinetische Skulptur „Drei rotierende Quadrate“ von George Rickey. Diese wurde 1975 in Münster aufgestellt, worüber sich viele Bürger empörten. Monatelang wurde damals protestiert. Folglich beschlossen Kunstexperten, dass die Münsteraner Nachhilfe in moderner Kunst brauchen. Weil nur wenige Bürger zu dieser Zeit Museen besuchten, wurden die Skulpturen mit der ersten Ausstellung 1977 in die städtischen Räume und somit in die Öffentlichkeit gebracht und die „Kunstbanausen“ auf direktem Wege mit den Werken konfrontiert.

Wieder gab es Proteste. Das bekannteste Relikt aus dieser Zeit sind wohl die Kugeln am Aasee, die „Giant Pool Balls“, welche nicht nur biedere Bürger, sondern auch viele Studenten in Aufruhr versetzten. Heute sind die Betonkugeln fast schon ein Wahrzeichen und ein bekannter Treffpunkt der Stadt. Im Sommer versammeln sich auf der angrenzenden Wiese Scharen von jungen Leuten. Die Skulpturen sind ein gutes Beispiel dafür, wie durch Kunst ein öffentlicher Raum lebendig gemacht wurde.

Anstatt aufzugeben, beschlossen die Organisatoren die Ausstellung nach zehn Jahren zu wiederholen. Doch erst mit der dritten Ausstellung 1997 gelang den Skulptur Projekten der Durchbruch, was vermutlich daran lag, dass die Kunstwerke dazu einluden, den Sommer an der frischen Luft zu genießen. Nicht zuletzt halfen die 500.000 Besucher und Journalisten aus aller Welt, um die Vorbehalte der Münsteraner zu beseitigen.

Die Skulptur Projekte 2017 - Der Mensch als Teil der Kunst

Mehr als 650.000 Besucher aus 35 Nationen und 1.300 akkreditierte Journalisten waren zu Gast bei der fünften Auflage der Skulptur Projekte. 35 Kunstwerke konnten bestaunt werden, 48.000 Menschen nahmen an öffentlichen Touren teil. Wie auch in den letzten Jahren ging es bei dieser Kunstschau um Skulptur und Raum, was grundsätzlich zunächst die Frage aufwirft, was denn eine Skulptur überhaupt sei. Skulpturen waren in diesem Jahr vor allem auch in lebender Form zu bestaunen – im Rahmen von Performances oder im Hinblick darauf, dass der Besucher durch aktive Beteiligung am Projekt selbst Teil der Ausstellung wurde.

Und wie ist das, wenn der Pen durch die Ausstellung wandert?

Wir sind während unserer Fotoshootings mit unzähligen Menschen in Kontakt gekommen. Es gab einige Leute, die interessiert nachgefragt haben, um welchen Gegenstand es sich bei dem Pen handelt und was wir dort eigentlich machen.

Die Aktion hat uns gezeigt: Nicht nur als kunstinteressierter Bürger, sondern auch als Münsteraner Unternehmen macht es Sinn, sich im Rahmen solch einer Ausstellung in den öffentlichen Räumen seiner Stadt zu bewegen. Auf diese Weise konnten wir den Ausstellungsbesuchern ganz nebenbei erzählen, wer WEICON ist und welche Produkte wir herstellen. Außerdem wurde auch der Pen durch unsere Fotos Teil der Projekte. Neben 15 von 35 Skulpturen war er zu sehen.

Nairy Baghramian – Privileged Points

Nairy Baghramian wählt für ihre Werke stets beliebte Plätze, „Privilegd Points“, so in diesem Fall den Erbdrostenhof. Die Skulptur ist unvollendet und mag für unvollendeten kulturpolitischen Prozess stehen, der sich auch in den Skulptur Projekten seit 1977 wiederspiegelt. Erst nach der aktuellen Ausstellung, im Fall eines Ankaufs der Arbeit, sollen die Einzelteile der zunächst provisorischen Skulptur verschweißt und das Werk vollendet werden.

Aram Bartholl – 12 V / 5 V / 3 V

Die drei Installationen von Bartholl basieren auf thermoelektrischen Apparaturen, die Feuer direkt in elektrische Energie umwandeln. Er stellt damit Feuer als einen der ersten Orte der gemeinsamen Kommunikation in Relation zu den heutigen Kommunikationsmedien und gleichzeitig zu bedeutenden Bauwerken der Stadtentwicklung Münsters.

Unser Pen war an zweien dieser Orte: In der Unterführung am Schlossplatz des 1767 erbauten Schlosses brachte Bartholl fünf Kronleuchter an, die jeweils aus zehn thermoelektrischen, mit Teelichtern betriebenen LED-Leselampen bestanden und im Katastrophenfall einen Schutzraum beleuchten könnten. Am Lagerfeuer neben dem Theater am Pumpenhaus (Pumpenhaus heißt es wegen des 1901 erbauten Kanalwasserpumpenwerks) konnten Besucher an mit Generatoren ausgestatteten Stöcken ihre Handyakkus aufladen.

Cosima von Boni + Tom Burr – Benz Bonin Burr

Boni und Burr haben vor dem LWL-Museum einen Tieflader unweit der dauerhaften Skulptur aufgestellt. Das Werk sollte die Ambivalenz zwischen Präsenz und Absenz darstellen – ein potentieller Verladevorgang als Symbol für die „Bewegung“ innerhalb eines Ausstellungsbetriebs.

Jeremy Deller – Speak to the Earth and It Will Tell You

Eine naturwissenschaftliche und kulturanthropologische Langzeitstudie bildete die Grundlage dieses Projektes. Deller bat fünfzig Kleingartenvereine über den Zeitraum von zehn Jahren Tagebuch über botanische und klimatische Daten sowie über ihr Vereinsleben zu führen. Diese fünfzig Tagebücher wurden in einem Münsteraner Kleingarten ausgestellt – wirklich bewegende Aufzeichnungen! Dellers Intention war es dabei, auf den Kleingärten immanenten Widerspruch hinzuweisen: Entspannung und Rückzug versus Produktivität und soziales Miteinander.

Nicole Eisenman – Sketch for a Fountain

Mit dem Ensemble aus fünf überlebensgroßen Figuren aus Bronze oder Gips konzipierte Nicole Eisenman eine Skulptur, deren Figuren tollpatschiges Antiheldentum anstelle von Anmut und Grazie, wie beim klassischen Zierbrunnen üblich, ausstrahlen. Natur, Kultur und Identitäten bilden in Beziehung zueinander die Kunst im öffentlichen Raum.

Ayşe Erkmen – On Water

Knapp unter der Wasseroberfläche des Münsteraner Hafenbeckens hat Ayşe Erkmen einen Steg installiert, der beide Uferseiten miteinander verband. Dieses Projekt war das meist besuchte der gesamten Ausstellung – besonders an warmen Sommertagen liefen viele Menschen „über das Wasser“. Insgesamt 250 Menschen sind an den 116 Tagen der Skulptur Projekte vom Steg ins Wasser gefallen.

Lara Favaretto – Momentary Monument, The Stone

Während Monumente und Denkmäler gewöhnlich auf bestimmte geschichtliche Ereignisse oder Personen verweisen, stellte Lara Favaretto mit der Positionierung ihrer Skulptur „Momentary Monument – The Stone“ zwischen Train-Denkmal, einem Kriegsdenkmal aus den 1920er Jahren und der angrenzenden Ausländerbehörde einen aktuellen Bezug her.

Anders als bei Monumenten üblich, dienen die mit dieser Skulptur gesammelten Spenden nicht ihrer Erhaltung, sondern werden nach ihrer Zerstörung an eine Stiftung für Abschiebhäftlinge gespendet. Als die Skulptur abgebaut wurde, rieselte es Euromünzen, die anschließend gezählt wurden und nun ihrem Zweck zu Gute kommen.

Pierre Huyghe – After A Life Ahead

Pierre Huyghe verwandelte die einstige Eissporthalle mittels Grabungen in eine einzigartige Hügellandschaft. Diese Skulptur vereint biologisches Leben und Prozesse – ja, hier waren Lebewesen wie Ameisen, Algen oder Bienen anwesend – sowie Architektur, Landschaft und Statik. Während der gesamten Ausstellungszeit gab es hier zwei Bienenstiche.

Justin Matherly – Nietzsche’s Rock

Nietzsche’s Rock ist eine 1:1 Nachbildung eines Felsens an einem See in der Schweiz. Dort soll der deutsche Philosoph 1888 seine Idee zur ewigen Wiederkehr des Gleichen gehabt haben. Die Skulptur wurde auf Gehhilfen, die aus Münsteraner Krankenhäuern stammen, errichtet.

Katharina Stöver + Barbara Wolff – Peles Empire

Das Material von Peles Empire beruht auf dem rumänischen Königsschloss Peleş. Seine Giebelseite wurde mit einer Fotokopie des Schlosses verkleidet. Die acht Meter hohe Skulptur wurde in direkter Nähe zur Altstadt errichtet, um einen Bezug zur historisierenden Bauweise des Prinzipalmarktes herzustellen. Dieser wurde nach seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg nicht exakt rekonstruiert, sondern nach dem Vorbild der 1950er Jahre wiederaufgebaut.

Mika Rottenberg – Cosmic Generator

Mit dem Ausstellen von chinesischem Billigspielzeug in einem Asialaden thematisiert Mika Rottenburg in ihrem Werk globale kapitalistische Strukturen. Im Kontrast dazu wird ein Video abgespielt, das das Leben von Immigranten in einer Grenzstadt zwischen den USA und Mexiko zeigt.

Thomas Schütte – Nuclear Temple

Der Nuclear Temple, der unweit vom „Eulenturm“, einem Relikt der ehemaligen Zoos und dem „Wasserbär“, eine alte Bemauerung eines Wasserwehrs errichtet wurde, soll auf den Zusammenhang zwischen Stadtgeschichte und technologischen, militärischen und kolonialgeschichtlichen Geschehnissen hinweisen.

Michael Smith – Not Quite Under_Ground

Michael Smith installierte mit seinem Werk „Not Quite Under_Ground“ ein Tattoostudio, in dem Personen ab 65 Jahren Sonderkonditionen erhielten. Das Besondere: Bei den Tattooentwürfen handelt es sich um Skizzen von Teilnehmern der Skulptur Projekte seit 1977. Smiths Projekt verbindet die große Anzahl kulturaffiner Senioren, die wegen der Ausstellung nach Münster pilgern mit dem gegenwärtigen Lifestylephänomen „Tätowierungen“ und dessen Ausdruck von Individualisierung. 250 Menschen haben sich während des gesamten Ausstellungszeitraums tätowieren lassen, 75 davon waren über 65 Jahre alt.

Hito Steyerl – HellYeahWeFuckDie

Im futuristisch-technokratischen Gebäude der Landesbausparkasse (LBS) stellte Hito Steyerl ihr Werk HellYeahWeFuckDie aus. „Hell“, „Yeah“, „We“, „Fuck“, „Die“ waren laut dem Online-Magazin Billboard die fünf am häufigsten gebrauchten Worte in den englischsprachigen Musikcharts der letzten Dekade. Die Buchstabeninstallationen, ein Video aus einem Kriegsgebiet sowie Videoinstallationen von Robotern werfen die Frage auf, welche Rolle Computertechnologien im Krieg spielen.

Oscar Tuazon – Firebuilding

Auf einer Wiese am Kanal hat Oscar Tuazon ein Betonobjekt mit integrierten Feuerstellen errichtet. Die Skulptur spendete Wärme und konnte als Grill genutzt werden, wodurch die Grenzen zwischen Architektur, Kunst und Gebrauchsgegenstand verwischt wurden.